Unsere Atlantiküberquerung 20.11. – 04.12.

20.11. – Tag 1 (130nm)   Heute Morgen haben wir unsere Stempel bekommen 👌. Wir frühstücken nochmal ausführlich und zurren alles fest.
12:00 Uhr Ortszeit holen wir den Anker hoch. Tschüss Mindelo🙋🏼‍♀️ und segeln zwischen São Antao und São Vicente durch.

Damit beginnt jetzt unser Abenteuer der Atlantiküberquerung. Ca. 2100 Seemeilen nur Wasser und Himmel liegen vor uns. Ungefähr 2 Wochen wird die Überfahrt dauern. Wir haben aber unser erstes Ziel in der Karibik geändert, wir wollen zuerst nach Barbados. Die Insel soll sehr schön sein und von den anderen Inseln aus ist Barbados mit dem Segelboot schwer zu erreichen – Wind und Strömung gegenan. 

Bei Sonnenuntergang werden wir über eine Stunde von einer Gruppe Delphine begleitet, die sich einen Spaß daraus machen, immer wieder Anlauf zu nehmen, um unter dem Bug von Ilot durch zu tauchen.
Während der ersten Nacht haben wir eher zu wenig Wind und dümpeln mit 3 kn Speed und schlagenden Segeln vor uns hin. Am frühen Morgen haben wir dann 11 kn Wind, die Segel stehen deutlich stabiler und wir kommen mit 5 kn voran. Irgendwann heute Nacht hat uns das TUI Kreuzfahrtschiff 🛳️ aus Mindelo, die Marella Discovery ll, mit 16 kn Speed überholt. Die sind dann 3x schneller drüben als wir – ich möchte trotzdem nicht tauschen.

21.11. – Tag 2 (130nm)   12:00 Uhr, wir haben gerade den Schmetterling aufgelöst und den Parasailor hochgezogen. Das bedeutet 1 Stunde Arbeit für uns beide, aber das Gewackel ist deutlich geringer und wir sind 1 Knoten schneller.
Zum Schlafen, hatten wir letzte Nacht das Leesegel rausgeholt, damit keiner aus dem Bett fällt 🤪.
Kurz vor Sonnenuntergang haben wir wieder einen echten Bonito an der Angel, der unsere Gemüsepfanne bereichert.
Wir entscheiden uns, den Parasailor die Nacht über stehen zu lassen – es schnuckelt wirklich wunderbar bei 10/11 kn Wind und wir kommen gut voran. Der Wind soll laut Vorhersage so bleiben – mal sehen, was die Nacht so bringt.

Der Sternenhimmel ist natürlich fantastisch – es gibt keine anderen Lichtquellen, die das Leuchten der Sterne ⭐️ beeinträchtigen. Es ist auch nicht mehr so extrem feucht in der Nacht wie während der Passage zu den Kapverden, wir sind jetzt eben deutlich mehr im Süden. Die Nacht verläuft ruhig, der Parasailor macht einen guten Job, so dass wir beide in unseren Schlafphasen nicht gestört werden. Als Thomas seine Schicht um 6 Uhr übernimmt, stellen wir fest, dass die Steuerbordleine vom Parasailor wohl irgendwann heute Nacht unsere grüne Positionslampe am Bugkorb abgerissen hat 😏. Nicht so schlimm, wir haben Ersatz an Bord und wenn das der einzige Schaden bleibt, können wir uns nicht beschweren.

22.11. Tag 3 (120nm)   Heute habe ich einen fast arbeitsfreien Tag: Brot haben wir noch, neuer Joghurt ist fertig im Kühlschrank und fürs Abendessen haben wir – Dank Bonito – noch genug Gemüsepfanne von gestern 😁. Da kann ich heute chillen 😎 und lesen.
Der Wind bleibt auch heute über Tag beständig bei 10 kn, also weiterhin ideale Bedingungen für den Parasailor.
Auch diese Nacht lassen wir den Parasailor stehen, einige Male ist er kurz vor dem Zusammenfallen, weil der Wind bis auf 6 kn abnimmt. Wir müssen etwas den Kurs ändern, damit er stabiler steht. Wir haben Glück, er bleibt so gerade stehen und wir können durchsegeln.

23.11. – Tag 4 (150nm)  Tag 4 ist angebrochen, 370 nm haben wir hinter uns – 1660 nm liegen noch vor uns. Die Stimmung ist gut, wir konnten letzte Nacht wieder gut schlafen 😴, wir können in Ruhe essen. Von uns aus könnte es so bleiben.

Was macht unsere Energieversorgung? Die Lithium-Eisen-Phosphat- Batterie war heute Morgen leer, die AGM-Batterien mussten übernehmen. Da der Wind zu schwach ist, macht der Windgenerator Urlaub. Das heißt, nachts verbrauchen wir nur (Kühlschrank, Plotter, Navigationslichter). Thomas hat deshalb ein zusätzliches, mobiles Solarpanel installiert. Die Sonne scheint ungehindert, so dass wir mit über 30 Ampere wieder laden. Wenn alle Stricke reißen, müssen wir halt mal den Generator anwerfen. Wasser verbrauchen wir wenig, der Watermaker läuft täglich eine Stunde und produziert neues Wasser aus dem Meer. Dank des von meinem Daniel Düsentrieb programmierten Durchflusssensors, wissen wir auch wieviel. Das ist wirklich ein tolles Gefühl so unabhängig zu sein. Der einzige Rohstoff, den wir kaufen müssen ist Diesel ⛽️ und ab und zu eine Gasflasche.

Da flucht der Skipper gerade, was ist los? Eine der 4 Leinen vom Parasailor hat sich wohl heute Nacht um den Anker gewickelt und ordentlich gescheuert – Mist!
Weil wir nicht so schnell unterwegs sind und wahrscheinlich 2-3 Tage länger brauchen als geplant, hat der Skipper Angst, dass er Hunger leiden muss und arbeitet intensiv an der Angelausrüstung 😜.

Die Nacht verläuft ohne Zwischenfälle, dafür ist heute Morgen einiges los. Zuerst zieht gegen 6 Uhr eine Regenwolke, zum Glück vor uns durch, beschert uns aber kurz bis 21 kn Wind und kommt aus einer anderen Richtung. Nach 15 Minuten ist aber wieder alles normal. Dann kommt gegen 8 Ihr noch ein Tanker genau auf uns zu – als wenn auf dem Atlantik nicht genug Platz wäre! Er ist uns aber wohlgesonnen und ändert tatsächlich seinen Kurs für uns, so dass er mit gutem Abstand an uns vorbeifährt – wirklich sehr nett! Mit unserem Vorwind-Schmetterling-Setting sind unsere Manövriermöglichkeiten auch stark eingeschränkt.

24.11. – Tag 5 (158nm)   Seit heute Morgen haben wir 18 kn Wind und einen Seegang, bei dem wir wieder ordentlich durchgeschaukelt werden. Wir klemmen uns mit den Beinen an der Steuersäule fest und es ist anstrengend genug, dafür zu sorgen, dass man nicht von der Bank fällt. Jede Bewegung erfolgt mit äußerster Konzentration, sonst bekommt man sofort die Quittung. So ist dem Skipper heute Morgen der mit frischem Kaffeepulver gefüllte Filter umgefallen. Bei Kaffee versteht er keinen Spaß und so hat er sorgfältig das verschüttete Pulver wieder aufgesammelt. Die Frühstücksbrote bereite ich verzehrfertig in der Kombüse vor. Der Vorteil ist, wir kommen mit durchschnittlich 7 kn Speed gut voran 🤗.
Regelmäßig finden wir am Morgen verendete fliegende Fische an Deck, die sich in der Nacht verflogen haben.
Der Tag verläuft ansonsten ruhig. Gegen 6 Uhr fängt die Angel kräftig an zu surren und es wird schnell klar, dass es sich um einen kräftigen Fisch handeln muss. Es dauert über eine Stunde bis wir ihn mit diversen Hilfsmitteln an Bord gezogen haben, leider haben wir dabei unseren Enterhaken verloren 😢. Nach der Kofferwaage wiegt der echte Bonito 5 kg! Da können wir mehrere Tage lecker von essen. Thomas filetiert den Fisch noch, das dauert eine Weile bei dem großen und festen Fisch. Unsere Abendroutine ist damit aus dem Ruder gelaufen. Wir essen spät und so gegen 23 Uhr (anstatt normal 22 Uhr) schicke ich Thomas in die Koje und übernehme die erste Nachtwache. In der Nacht ziehen ein paar Squalls an uns vorbei, die uns kurz bis 24 kn und leichte Winddreher bescheren, die die Windfahnensteuerung automatisch fährt, da sie immer den gleichen Winkel zum Wind einhält.
Die Wellen sind inzwischen noch höher geworden und wenn sie nur von hinten kommen würden, wäre es kein Problem. Ab und zu kommt so ein Riesending von der Seite, so dass Ilot einmal rechts und direkt danach nach links auf die Seite geworfen wird. Alter Schwede – wenn du dich da nicht gerade festhältst, fliegst du durch die Gegend! Alle einfachen Dinge, wie das stille Örtchen aufsuchen, Essen zubereiten und dann essen, sind anstrengend.

25.11. – Tag 6 (152nm)   Nach dem ersten Kaffee ☕️, versuche ich uns die Frühstücksbrote zu schmieren. In meiner ersten Nachtwache, habe ich dafür das Brot gebacken. Zum Glück hatte ich die Mehlmischungen hierfür in Mindelo vor Anker vorbereitet, das hilft sehr.
Später haben wir noch die Thunfischfilets vakuumiert, das reicht noch für 4 opulente Mahlzeiten 🍣.
Jogurt habe ich auch neuen angesetzt. Dazu erwärme ich einen Liter Milch mit Hilfe eines Thermometers auf 45 Grad und schütte sie dann mit einer Messerspitze Joghurtferment in den Thermobecher von Blockhütte. 14 Stunden in Ruhe lassen – fertig.
Gegen halb fünf heute Nacht erwischt uns doch ein Squall, der ILOT eine kostenlose Süßwasserdusche verpasst. Ich habe Glück und liege in der warmen Koje, es ist Thomas Schicht. Da der Wind von hinten kommt, regnet es auch voll ins Cockpit. Thomas macht die Schotts rein und wartet auf der Treppe bis alles vorbei ist. Der Wind hält sich in Grenzen, reffen war nicht nötig. 

Am Morgen sehen wir auf dem AIS ein Trainingsschiff „Thor Heyerdahl“. Eine kurze Google Recherche bringt folgendes Ergebnis:
Schiffstyp: Ein traditioneller Großsegler (Dreimast-Toppsegelschoner),
Hauptzweck: Es wird für die Jugendbildung und als Schulschiff genutzt, um jungen Menschen traditionelle Seemannschaft zu vermitteln und ihre Persönlichkeits-entwicklung zu fördern.

Sehr interessant! (Für Lehrer jedenfalls🥸)

26.11. – Tag 7 (160nm)  Heute über Tag ist nicht viel passiert. Der Wind hat wieder abgenommen, so dass wir beide Segel ausgerefft haben. Damit segeln wir heute gemütlich mit 6 kn Speed weiter unserem Ziel entgegen. Thomas versucht die fast durchgescheuerte Leine durch Spleissen zu reparieren und ist damit heute gut beschäftigt. Ich lese, stricke, schlafe noch was und kümmere mich um das leibliche Wohl.
Am Abend wird es doch nochmal kurz hektisch, weil ein anderer Segler, der genau unseren Kurs fährt, aber schneller ist als wir und uns über Funk mitteilt, dass er uns an Steuerbord überholen möchte. Das ist aber genau die Seite, wo unsere grüne Positionsleuchte abgerissen ist. Der Skipper gibt keine Ruhe, bis er die Ersatzleuchte mit einem langen Kabel und Stecker mit Kabelbindern provisorisch am Heck befestigt hat. Ich beobachte die Aktion vom Cockpit aus und erschrecke mich heftig, als ein fliegender Fisch dicht an mir vorbeifliegt, an der Sitzbank gegenüber abprallt und genau vor meinen Füßen landet 😳. Er zappelt wie wild und Thomas gelingt es nur mit Mühe, ihn zu packen und wieder ins Wasser zu schmeißen. So, das reicht jetzt schon an Aufregung für heute, ich hoffe auf eine ruhige Nacht.
Was machen wir während unserer Nachtwachen, um uns wach zu halten? Also Thomas futtert Erdnüsse 🥜 ohne Ende und hört viel Musik. Das geht bei mir nicht so gut, ich muss die Wellen und den Wind hören, um möglichst schnell zu erkennen, wenn sich was ändert. Ich lese viel, dann vergeht die Zeit schneller. Wenn ich zu müde bin zum Lesen, lege ich mich ins Cockpit und stelle den Timer auf 20 Minuten, um dann zu schauen, ob sich evtl. ein Tanker nähert oder sich irgendwas verändert hat. Nach 3 Stunden wird gewechselt, so dass jeder auf 6 Stunden Schlaf kommt. Den Rest holen wir tagsüber nach.
Die Nacht verläuft ruhig, diesmal ohne Squalls. Als ich Thomas um 7 Uhr wecke und er gerade im Cockpit sitzt, gibt es einen lauten Knall am Mast! Die Taschenlampe bringt schnell Klarheit – der Baumniederholer ist mit 4 Nieten aus dem Mast gebrochen. Konsequenz – das Großsegel kann nicht mehr flach getrimmt werden, weil der Niederholer den Baum nicht mehr nach unten ziehen kann. Wir reffen das Groß stark, damit es nicht an den Salingen scheuert. Wir sind echt sauer, weil wir in Almerimar für 300 € einen Rigger beauftragt hatten, das Rigg zu prüfen. Thomas hatte ihn auch explizit auf die Nieten des Niederholers hingewiesen, da sie schon etwas Spiel hatten. Der Rigger hatte gemeint, das wäre normal 😤. Wieder ein Beispiel mehr, dass es fatal ist, den sogenannten Experten zu vertrauen und dass man am Besten alles selber macht. Wenn wir Nieten gehabt hätten, hätten wir sie sicherheitshalber getauscht – wieder um eine Erfahrung reicher. Zum Glück sieht es nicht so aus, dass wir den Rest der Strecke in ein Starkwindfeld kommen. Mein Daniel Düsentrieb will gleich ein Provisorium basteln. Im Moment haben wir 18 kn Wind, da sind wir auch mit gerefftem Groß schnell genug, sonst wird eben wieder der Parasailor gesetzt.

So, der provisorische Baumniederholer ist installiert, weiter gehts mit ca. 6 kn Speed.

27.11. – Tag 8 (162nm)   So sieht übrigens unser Rutsch- und Wellenfestes Frühstück aus 😜. 

Ab jetzt sehen wir im Atlantik einige kleinere Felder der Sargassum-Algen. Die stellen mittlerweile eine Rekordplage in der Karibik dar und beeinträchtigen die Strände, den Tourismus und die Meeresökosysteme. Die riesigen Mengen an treibenden Algen verursachen durch Fäulnis Geruchsprobleme, ersticken Korallen und gefährden Meereslebewesen. Mögliche Ursachen für das explosive Wachstum sind eine Kombination aus steigenden Meerestemperaturen und nährstoffreichen Strömungen, die durch Flüsse wie den Amazonas und Mississippi ins Meer gelangen. Ich habe ein Foto hoch geladen, das von einem Segler vor uns stammt 😳. Ich hoffe, bei uns wird es nicht ganz so schlimm!

Gerade haben wir Bergfest mit einem Rogge-Genever gefeiert. Wir haben jetzt genau die Hälfte 😁.

Die Nacht verläuft ohne Komplikationen, Stimmung ist weiterhin gut 😁.

28.11. – Tag 9 (156nm)   Heute ist tagsüber nichts außergewöhnliches passiert bis irgendwann gegen Abend die Windfahnensteuerung nicht mehr ihren Job verrichten konnte, weil sich so viel von dem Sargassumgras um das Ruder gewickelt hatte. Also dann doch nochmal Autopilot.

Die Nacht verläuft dann wieder ohne Zwischenfälle. Als ich am Morgen um 9 Uhr wach werde, ist es bewölkt 🌫️ und die Wellen wieder extrem unregelmäßig aus allen Richtungen, so dass wir extrem durchgeschaukelt werden – anstrengend 😥.

29.11. – Tag 10 (135nm)    12:00 Uhr, 734nm liegen noch vor uns, 1310nm haben wir schon hinter uns gebracht. Seit 10 Tagen nur noch Wasser und Himmel, aber ich liebe es, die Wellen und die Wolken zu beobachten. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich beides sein kann. Ich genieße das Gefühl, wenn das Heck von Ilot von einer heranrauschenden Welle sanft angehoben wird und von dem Wellenkamm gemächlich nach vorne katapultiert wird. Dennoch steigt natürlich auch langsam die Vorfreude aufs Ankommen. Wieder eine ganze Nacht durchschlafen, essen, ohne sich konzentrieren zu müssen, den Mund zu finden, mehr als 10 Schritte am Stück zu laufen, Bäume und Häuser und wieder andere Menschen zu sehen! Nicht, dass ich die Nase voll hätte vom Skipper – nein, ich sehe ihn immer noch gerne an und genieße die Zweisamkeit 😁.


Was den Wellengang angeht ist dieser Tag wirklich ätzend. Am Abend lässt zu allem Überfluss auch noch der Wind nach. Wir diskutieren, ob wir den Parasailor setzen sollen. Da gerade zwei Squalls an uns vorbeiziehen und die Windvorhersage für die Nacht noch segelbar vorhergesagt ist, entscheiden wir uns dagegen. Um 4 Uhr nimmt der Wind bis auf 5 kn ab und es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Motor zu starten und die Segel rein zu holen 😏.
Immerhin gibt es einen schönen Sonnenaufgang 🌅.
Als der Skipper um 9 Uhr aufsteht, macht er erstmal unter Einsatz seines Lebens Filterkaffee. Bei dem Seegang echt eine motorische Meisterleistung, der Kaffeefilter muss am Seegang ausgerichtet werden, während man selber im Ausfallschritt versucht, sich einzuklemmen – irgendwann mache ich mal ein Video davon 😉.


Nach dem Kaffee beschließen wir, den Parasailor zu setzen. Ich mache es kurz, wir haben es nach fast 2 Stunden inklusive Leinengetüddel von Schmetterling auflösen und Leinengetüddel Parasailor setzen erfolglos abgebrochen 😳. Der extreme Wellengang und der selbst für einen Parasailor zu schwache Wind (er ging bis auf 5 kn zurück) haben es uns unmöglich gemacht!
Wir waren durchgeschwitzt und hochfrustriert, da hilft nur ein kühles Bier 🍻 und dann wird gefrühstückt.

30.11. – Tag 11 (119nm)   Nach dem Frühstück versuchen wir nochmal den Parasailor zu setzen, viel mehr Wind haben wir immer noch nicht und so droht er immer wieder einzufallen. Ich hätte schon längst entnervt aufgegeben und das Ding wieder runter geholt. Der Skipper gibt aber keine Ruhe und nach einer halben Stunde hin und her gezubbele der 4 Leinen, steht er auch bei 6 kn Wind einigermaßen- na ja, alles besser als Motoren und dümpeln mit 3 kn Speed gemächlich vor uns hin.
Es ist gefühlt wesentlich wärmer als die letzten Tage, liegt wahrscheinlich auch am nicht vorhandenen kühlenden Wind.
Seit ca. 400 Seemeilen begleiten uns die Sargassum Felder, die aussehen wie Teppiche auf dem Wasser, die gehören hier einfach nicht hin 😳.
Ab halb sieben haben wir wieder traumhafte Bedingungen, 10 kn Wind, moderate Wellen aus einer Richtung, Sonne und einen Sundowner in der Hand 😁. Dazu interessante Wolkenkonstellationen mit einem halben Regenbogen 🌈?!
Wir lassen den Parasailor über Nacht stehen, das läuft diesmal wunderbar. Wir sind zügig unterwegs ohne das extrem nervige Geschaukel. Wir haben noch 480nm vor uns, d.h. in drei Tagen sollten wir Barbados erreicht haben 😁.
Leider funktioniert Starlink gerade überhaupt nicht, da fällt einem erstmal auf, was man alles nicht mehr machen kann. Die Fehlersuche ergibt, dass der von Thomas eingebaute Inverter kaputt ist, wir brauchen also das USB-Kabel von Starlink für die direkte Spannungsversorgung. Natürlich haben wir über eine Stunde danach gesucht, es lag fein zusammengerollt im Kartentisch 😅. Gott sei Dank – Starlink funktioniert wieder 🤗.

 

01.12. – Tag 12 (156nm)   Wir segeln den ganzen Tag über mit dem Parasailor. Gegen Abend sind wir uns schnell einig, dass wir den Parasailor wieder gegen Schmetterling tauschen. Der Wind wird auf keinen Fall abnehmen, eher zunehmen plus die Gefahr von Squalls in der Nacht. Beides sind Gründe für unsere Entscheidung – kein Stress in der Nacht!
Die Nacht verläuft auch zunächst komplikationslos und schnell sind wir froh, den Parasailor unten zu haben, der Wind nimmt schneller zu, als vorhergesagt.
Dann muss ich Thomas doch in meiner Schicht wecken, weil 3 Squalls um uns herum sind (kann man auf dem Radar deutlich sehen). Die ersten Regentropfen 💧 spüre ich auch schon. Also Regenjacken an, Niedergang mit Schott verschließen und die Wolken 🌧️ und den Wind beobachten. Wir haben Glück, die Squalls ziehen vor uns durch, Wind bis 24 kn aber keine Winddreher 😅. Nach 20 Minuten (die Squalls ziehen schneller als wir) legt sich Thomas wieder in die Koje und ich beende um 5 Uhr morgens meine Schicht ohne weitere Zwischenfälle.
Apropos Zeit, ich habe seit heute meine Uhrzeit schon auf Barbados umgestellt, d.h. wir sind jetzt 5 Stunden früher als in Deutschland.
Langsam wird es auch Zeit, die Gastlandflagge von Barbados raus zu fischen 😁.

02.12. – Tag 13 (156nm)   Noch 320nm bis Barbados 🇧🇧. Wenn der Wind so bleibt, kommen wir Donnerstag noch im Hellen in Port St. Charles an 😁. Es ist inzwischen deutlich wärmer geworden. Ich brauche nachts weder Jäckchen noch lange Hose – wir nähern uns der Karibik.
Diese Nacht hat uns dann doch nochmal ein Squall (Regenzelle) erwischt, die uns 28 kn Wind und kurzfristig einen Nordkurs beschert hat – diesmal werde ich nass 😏. Das Tolle war im Nachhinein, dass die Windfahnensteuerung sowohl die 28 kn als auch den Winddreher automatisch gesteuert hat. Am Morgen zeigt sich der Himmel bedeckt und es sieht so aus, als würden uns die Squalls uns noch weiter begleiten.

03.12. – Tag 14 (157nm)   Nach Zeitzone Barbados haben wir jetzt 10 Uhr und noch 164nm bis zum Wegpunkt. Der Himmel ist bedeckt, keine Sonne 😏. Wir schalten das Radar wieder an, um die Squalls besser zu sehen. Am frühen Nachmittag geht es dann richtig los mit dem Schietwetter. Heftiger Regen, viel Wind, irgendwann bei über 30 kn Wind, reffen wir die Genua. Wenn wir durch einen Squall durch sind, steht der nächste schon vor der Tür. Ich hatte mir das Wetter in der Karibik anders vorgestellt 😳.
Es bleibt auch die Nacht über regnerisch mit anspruchsvollen Wellen, bei denen man ungewollt die ganze Zeit über Faszientraining betreibt. Am Morgen scheint dann doch wieder die Sonne und wir wähnen uns in trügerischer Sicherheit vor den Squalls, bis sie kurz vor unserem Ziel nochmal geballt auftreten. Also Ölzeug wieder an – nein, wir sind nicht aus Versehen nach Irland gesegelt, wir sind in der Karibik 😳. Land ist in Sichtweite 😁🤗.

04.12. Angekommen auf Barbados   Nach 2063 Seemeilen, 14 Tagen und 5 Stunden, haben wir glücklich unseren ersten Stopp in der Karibik – Barbados, Port St, Charles erreicht. Wir können es noch nicht ganz realisieren, dauert bestimmt 2 Tage.

DANKESCHÖN!!!

Liebe Familie, liebe Freunde – ein herzliches Dankeschön für eure Kommentare und Glückwünsche und das damit gezeigte Interesse und die Anteilnahme an unserer Reise und unseren Erlebnissen! Das bedeutet uns viel und es ist so viel schöner, das alles mit euch teilen zu können 🥰. Das gibt uns auch das schöne Gefühl nicht ohne euch zu sein, auch wenn wir so weit weg sind. Fühlt euch gedrückt von uns 🫶🏻

5 Gedanken zu „Unsere Atlantiküberquerung 20.11. – 04.12.“

  1. Was für tolle Geschichten! Schön, auf diesem Weg bei euch zu sein und zu sehen, dass es euch gut geht! Mit 5 kg hast du die Messlatte jetzt aber ganz schon hoch gehängt mein lieber Thomas!😉 Und das Brot sieht so lecker aus, Ich glaub wir (resp. Claudia) fangen auch mal mit dem. Brotbacken an. 🍞
    Weiterhin alle Gute auf eurer großen Überfahrt, ich bin gespannt auf die nächsten spannenden Einträge im Blog!
    Liebe Grüße, Jochen

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